Hund und Liebe

Marion merkte, dass Larissa sich als Baby immer nur zu einer Seite umdrehte und die andere nicht benutzte. Sie merkte, dass Larissa lange brauchte, um Laufen zu lernen – und, dass das Gangbild nicht so war, wie es sein sollte. Sie solle sich keine Sorgen machen, sagte der Arzt damals. Jedes Kind entwickelt sich anders.

Doch Marion machte sich Sorgen: Schließlich ist sie als Physiotherapeutin vom Fach und merkte, dass etwas mit ihrer Tochter nicht stimmte. Erst als Larissa zwei Jahre alt war, gab es eine Diagnose: Schlaganfall. Wann er genau passiert ist, ließ sich nicht mehr nachvollziehen.

„Als Physiotherapeutin hatte ich immer auch einen professionellen Blick auf meine Tochter. Wie kann ich sie noch fördern? Was geht noch? Welche Ziele sollen wir uns stecken?“, erinnert sie sich. „Dadurch war ich manchmal die ‚böse‘ Mama, die das Trinkglas so stellt, dass sie es mit der betroffenen Hand greifen musste. Die, die fast ausschließlich Spielzeuge kaufte, die nur mit zwei Händen bedient werden können.“ Das sei nicht immer einfach gewesen, weder für die Tochter, noch für sie selbst. Irgendwann hat der behandelnde Neurologe sie aufgeweckt: „Sie sind Mutter! Überlassen Sie die Behandlung den Therapeuten.“

Marion macht mit bei der Aktion „Ich setze ein Zeichen“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und wünscht den Betroffenen und Angehörigen vor allem Geduld. Durch die Erkrankung ihrer Tochter hat sie viel gelernt – auch für ihren eigenen Beruf. Während sie früher überwiegend orthopädische Patienten behandelt hat, begleitet sie inzwischen auch Menschen mit neurologischen Einschränkungen.

„Ich bin geduldiger geworden und habe gelernt, sich kleine Ziele zu setzen, sich über jeden kleinen Erfolg zu freuen und Rückschläge zu akzeptieren. Ich lege mit meinen Patienten fest, was sie in einem Monat erreichen wollen – nicht in zwei Jahren.“ Zudem hat sich Marion einen Therapie-Hund angeschafft, der hilft, neurologische Patienten zu motivieren.

Die Physiotherapeutin im Privatleben ganz abzuschalten, ist allerdings immer noch schwierig. „Natürlich rege ich mich auf, wenn mein Tochter sich Schuhe kauft, mit denen sie ihre sensomotorischen Einlagen nicht nutzen kann. Aber sie ist inzwischen fast erwachsen und muss diese Entscheidungen selbst treffen. Aber als Mutter ist es wohl auch normal, sich Sorgen zu machen“, sagt sie augenzwinkernd.

Danke, Schlaganfall-Hilfe

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.