Hilfreiche Tipps

Gunnar arbeitete als Sozialarbeiter in betreuten Wohngruppe, leitet zwei Selbsthilfegruppen für suchtkranke Menschen. Dass er selbst einmal an einer Selbsthilfegruppe zu einem ganz anderen Thema teilnehmen wird, ahnt er damals nicht. Doch mit einem Schlag ist alles anders. An einem ganz normalen Arbeitstag bekommt er ungewöhnlich starke Kopfschmerzen. Er setzt sich, um eine kurze Pause einzulegen – und bricht zusammen. Diagnose: Schlaganfall. Mit 24 Jahren. Er bleibt halbseitig gelähmt, das Gesichtsfeld ist eingeschränkt.

Etwa zwei Jahre nach der Reha meldet sich eine Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes bei Gunnar. Er kenne sich doch mit Selbsthilfegruppen aus. Ob er nicht Lust habe, in  einer Gruppe für Schlaganfallbetroffene in Pasewalk mitzumachen. Gesagt, getan. „Aber der Ort war für mich recht  weit entfernt. Da dies auch für weitere Mitlieder der Pasewalker Gruppe zutraf  beschlossen wir eine neue Gruppe in der  Nähe  zu gründen, in Torgelow“, erzählt er.

Gemeinsam mit anderen Interessierten macht er sich ans Werk. Gründung, Finanzierung, Mitgliederwerbung – Gunnar hilft bei allem mit. Seit 2010 ist er Sprecher der Gruppe. Inzwischen ist die Gruppe in der ganzen Region bekannt, die Mitgliederzahlen steigen. „Wir haben einen guten Kontakt zum Ärztenetzwerk und vielen anderen Menschen und Institutionen“, sagt Gunnar.

Bei der Kampagne „Ich setze ein Zeichen“ machte der aktive Vorpommer sofort mit und postete das Motiv auf Facebook. „Unsere Gruppe setzt jedes Jahr ganz viele Zeichen. Wir sind bei vielen Veranstaltungen, informieren Menschen im Einkaufszentrum über die Anzeichen eines Schlaganfalls oder klären am  Tag gegen den Schlaganfall und dem Weltschlaganfalltag über Prävention und Selbsthilfe  auf“, erzählt er. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unterstützt die Gruppe zum Beispiel durch die Zusendung von Info-Materialen.

Gunnar empfiehlt Betroffen und Angehörigen, sich eine Selbsthilfegruppe in ihrer Nähe zu suchen. „Dort gibt es nicht nur hilfreiche Tipps, sondern man unternimmt auch viel und lernt tolle neue Leute kennen.“ www.shg-torgelow.de

Danke, Schlaganfall-Hilfe

Laufen. LAUFEN!

Er war im Lauf-Fieber. Ein Marathon – längst keine wirkliche Herausforderung mehr. Heiko trainierte gerade dafür, 80 Kilometer den Brocken heraufzulaufen. Bis seine Beine ihn eines Morgens nicht einmal mehr zur eigenen Wohnungstür brachten. Auf Knien öffnete er die Tür für den Notarzt. Diagnose: Schlaganfall. Noch auf der Intensiv-Station war eine der ersten Fragen: „Wann kann ich wieder trainieren?“

Was er nicht ahnte: Er würde noch verdammt viel trainieren müssen. Allerdings nicht für den Lauf auf die Bergspitze, sondern erst einmal für den Gang über den Flur der Rehaklinik. Er fiel in ein schwarzes Loch. „Ich hatte Angst und Ohnmachtsgefühle. Trotzdem gelang es mir, mich aufs Weitergehen zu konzentrieren. Genau wie früher wollte ich meine Ziellinie nicht aus den Augen verlieren. Und das Ziel hieß: Mich zurück in mein bisheriges Läufer-Leben kämpfen. Auch, wenn dies der längste Lauf meines Lebens werden sollte“, sagt Heiko heute, zwei Jahre nach dem Schlaganfall. „DNF is not an option“, heißt es oft unter Läufern. DNF steht für „Did not finish“, also „Das Rennen nicht beendet“. „DNF“ ist keine Option für Heiko.

Seine Geschichte hat er für einen Lauf-Blog aufgeschrieben: http://www.lauf-liebe.de/lauf-liebe-held_Heiko

„Hin und wieder sollten wir uns bewusst machen, wie dankbar wir sein dürfen. Dafür, dass wir morgens aus eigener Kraft aufstehen, uns auf das Fahrrad schwingen, die Laufschuhe, mit unseren Liebsten abends zusammensitzen können. Reicht das nicht aus, um zufrieden zu sein?“, schreibt er dort. „Brauchen wir mehr? Die neue persönliche Bestzeit, den fetteren Wettkampf, noch mehr Anerkennung? Das sollte jeder für sich entscheiden. Meine Prioritäten haben sich inzwischen verschoben.“

Sommer, Meer… und Schlaganfall

Sommer, Sonne, Strand, Meer. Urlaub! Ibiza! Was als fröhliche Reise mit Freundinnen beginnt, endet für Mirjam in einer Katastrophe. Sie fühlt sich plötzlich nicht gut, spricht nicht mehr deutlich, der Körper fühlt sich komisch an.  Freundinnen bringen die damals 34-Jährige ins Krankenhaus. Die erste Reaktion des Notarztes: „Wie viel hat sie getrunken? Was hat sie sonst noch für Substanzen genommen?“ Gar nichts, versichern die Freundinnen.

Eine Freundin erwähnt: Das ist ein Schlaganfall, die Symptome sind wie bei meinem Opa. Der Arzt erwidert: Nein, nein sie ist dafür viel zu jung. Mirjam auf dem Flur liegen gelassen, um ihren Rausch auszuschlafen. Es wird kein Drogentest gemacht. In der Nacht verschlechtert sich der Zustand dramatisch, aber erst am nächsten Tag werden erste Untersuchungen gemacht.  

Mirjam fällt ins Koma. Als die Diagnose Schlaganfall feststeht, ist es für Mirjam bereits zu spät. Drei Wochen liegt die Flugbegleiterin im Koma, ehe sie wieder nach Deutschland transportiert werden kann.  Als sie aufwacht, kann sie nichts mehr. Nicht schlucken, nicht sprechen, nicht bewegen.

„Ich dachte: Jetzt ist alles vorbei“, sagt sie. Doch sie kämpft um jeden kleinen Erfolg: das Atmen ohne Maschine, den ersten Schluck, das erste Heben des Arms, den ersten Schritt, das erste Wort. Lange Strecken zu laufen, macht sie immer noch müde, längere Unterhaltungen strengen sie immer noch an. Manchmal will das richtige Wort einfach immer noch nicht aus dem Mund kommen.

Aber es geht alles wieder: essen, laufen, sprechen. Alleine wohnen und zusammen mit anderen verreisen. „Ich setze bei der Kampagne der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ein Zeichen, um anderen Mut zu machen, nie aufzugeben. Egal, wie aussichtlos die Situation erscheint: Wenn man hart an sich arbeitet, sind immer noch Fortschritte möglich.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe!

Das Leben ist noch nicht zu Ende!

Er ist mit einem Freund im Wald unterwegs. Ein paar Kleinigkeiten an ihrem Hochsitz wollen sie an diesem heißen Sommertag reparieren. Plötzlich bricht Dietmar zusammen. Sein Freund fährt ihn nach Hause zu seiner Ehefrau, die informiert den Hausarzt. Erst der Hausarzt ruft den Rettungsdienst. Es verstreicht wertvolle Zeit. Als Dietmar von Berlepsch in die Klinik kommt, hat der Schlaganfall bereits große Spuren hinterlassen. 57 ist er zu diesem Zeitpunkt, selbstständiger Architekt, mitten im Leben. Nach dem Schlaganfall ist er halbseitig gelähmt, kann nicht mehr arbeiten.

Stiftung Schlaganfall-Hilfe.de

„Nach der Reha habe ich zwei Jahre lang mehr oder weniger zu Hause gesessen und Fernsehen guckt. Das war eine schlimme Zeit. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich so nicht den Rest meines Lebens verbringen will“, erinnert er sich. Er rafft sich auf, macht den Führerschein neu, kauft ein Dreirad. Sein größtes Glück ist sein Labrador Harro. „Durch ihn komme ich an die frische Luft und fahre mindestens eineinhalb Stunden Rad pro Tag“, erzählt er. Heute macht er wieder Ausflüge und geht auf Reisen – oft sogar ohne Begleitung. Gemeinsam seinem Hund fuhr er 6000 Kilometer nach Portugal. Die weiteste Reise ging nach New York, wo er alleine Museen und Sehenswürdigkeiten erkundete.

„Inzwischen lasse ich mir von anderen nicht mehr einreden, dass ich irgendetwas nicht mehr kann. Ich entscheide selbst, was ich mir noch zumute. Manchmal muss man es eben ausprobieren.“ Bei der Kampagne „Ich setze ein Zeichen“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe macht er mit, um anderen Leuten Mut zu machen: „Der Weg nach einem Schlaganfall ist schwierig, aber das Leben ist danach nicht zu Ende.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe!