Vier Kinder, alleinerziehend und Schlaganfall

Vier Kinder, alleinerziehend, drei Jobs, um die Familie durchzubringen. Nicole hat alles getan, damit es ihren Kindern gut geht. Und sie wollte ein gutes Vorbild sein: Von Sozialhilfe zu leben – das kam für sie trotz der schwierigen Situation nicht infrage. Doch dann kam alles anders: Im Jahr 2002, mit 30 Jahren erlitt sie einen Schlaganfall. Während der Untersuchungen stellte sich heraus: Es war wahrscheinlich bereits ihr zweiter. Für ihre Lähmungserscheinen und eine plötzlich auftretende Epilepsie vier Jahre zuvor war nie eine Ursache gefunden worden.

Plötzlich war alles anders. Die Kinder mussten zu den Großeltern ziehen. Dank vieler Therapien schaffte Nicole es, wieder alleine in einer Wohnung zu leben. Bis heute braucht sie dafür viel Unterstützung. Denn geblieben sind nicht nur körperliche Folgen. „Mein Kurzzeitgedächtnis hat unter dem Schlaganfall sehr gelitten. Unmittelbar nach dem Schlaganfall hatte ich mein Zeitgefühl völlig verloren. Das wurde nach und nach besser, aber ich kann mir Dinge immer noch sehr schlecht merken.“ Doch der Schreck hörte nicht auf. Jahre später folgen eine Art Mini-Schlaganfall, genannt transitorische ischämische Attacke, und ein weiterer Schlaganfall.

Drei Mal am Tag kommt der Pflegedienst. Wenn sie einen Termin hat, zum Beispiel zum Arzt muss, erinnern die Mitarbeiter sie daran – immer wieder. „Es muss auch immer jemand mitkommen. Die vielen Informationen, die ich in so einem Arztgespräch bekomme, kann ich gar nicht verarbeiten – und mir erst recht nicht merken, erzählt Nicole. „Früher habe ich zum Teil Rechnungen zwei oder drei Mal überwiesen.Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich das schon gemacht habe. Mit dem Online-Banking geht das heute etwas einfacher, da ich immer in Echtzeit meinen Kontostand und meine Überweisungen kontrollieren kann.“

Als Nicole solche Aufgaben über den Kopf wuchsen, beantragte sie selbst eine gesetzliche Betreuung. Doch auch das klappte nicht auf die Dauer: „Meine Post ging an meine Betreuerin. Sie hat mich zum Teil gar nicht informiert, was sie bearbeitet hat und wie. Also drehten sich meine Gedanken wieder im Kreis: Ist der Brief eigentlich schon gekommen? Habe ich das schon erledigt? Hat sie das gemacht? Oder habe ich das nur wieder vergessen?“. Heute kommt sie ohne Betreuerin aus. Die inzwischen erwachsenen Kinder helfen ihr. Auch ihre beste Freundin, die gleichzeitig auch ihre Physiotherapeutin ist, kommt regelmäßig.

„Es ist so schwer, anderen begreiflich zu machen, was da im Kopf passiert“, sagt Nicole. Selbst aus dem Freundes oder Familienkreis hört sie oft „Das haben wir dir doch schon ein paar Mal erzählt“ oder „Wie kann man in deinem Alter schon so vergesslich sein?“. Sie ist froh, dass die Kinder hinter ihr stehen und ihre Erkrankung von Anfang an akzeptiert haben – auch wenn sie noch klein waren als es passierte. „Damals waren es meine Kinder, für die sich der Kampf gelohnt hat. Heute motivieren mich meine Enkel, weiterzukämpfen. Ich merke auch nach all den Jahren immer wieder kleine Fortschritte.“

Danke,  www.schlaganfall-hilfe.de

Das Leben ist noch nicht zu Ende!

Er ist mit einem Freund im Wald unterwegs. Ein paar Kleinigkeiten an ihrem Hochsitz wollen sie an diesem heißen Sommertag reparieren. Plötzlich bricht Dietmar zusammen. Sein Freund fährt ihn nach Hause zu seiner Ehefrau, die informiert den Hausarzt. Erst der Hausarzt ruft den Rettungsdienst. Es verstreicht wertvolle Zeit. Als Dietmar von Berlepsch in die Klinik kommt, hat der Schlaganfall bereits große Spuren hinterlassen. 57 ist er zu diesem Zeitpunkt, selbstständiger Architekt, mitten im Leben. Nach dem Schlaganfall ist er halbseitig gelähmt, kann nicht mehr arbeiten.

Stiftung Schlaganfall-Hilfe.de

„Nach der Reha habe ich zwei Jahre lang mehr oder weniger zu Hause gesessen und Fernsehen guckt. Das war eine schlimme Zeit. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich so nicht den Rest meines Lebens verbringen will“, erinnert er sich. Er rafft sich auf, macht den Führerschein neu, kauft ein Dreirad. Sein größtes Glück ist sein Labrador Harro. „Durch ihn komme ich an die frische Luft und fahre mindestens eineinhalb Stunden Rad pro Tag“, erzählt er. Heute macht er wieder Ausflüge und geht auf Reisen – oft sogar ohne Begleitung. Gemeinsam seinem Hund fuhr er 6000 Kilometer nach Portugal. Die weiteste Reise ging nach New York, wo er alleine Museen und Sehenswürdigkeiten erkundete.

„Inzwischen lasse ich mir von anderen nicht mehr einreden, dass ich irgendetwas nicht mehr kann. Ich entscheide selbst, was ich mir noch zumute. Manchmal muss man es eben ausprobieren.“ Bei der Kampagne „Ich setze ein Zeichen“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe macht er mit, um anderen Leuten Mut zu machen: „Der Weg nach einem Schlaganfall ist schwierig, aber das Leben ist danach nicht zu Ende.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe! 

 

Fabian: ich hatte schon einen Schlaganfall im Bauch meiner Mama

Kalenderblätter mit den Wochenzahlen und mit den Feiertagen, von Schleswig-Holstein zu Bayern unterschiedlich, klar. Aber mit Aphasie sind die Zahlen und Wochenzahlen wichtig. Das weiß ich von meiner Broca-Aphasie (Sprachstörung). Mit „Ich setze ein Zeichen! – Schlaganfall kann jeden treffen“ setzt die Schlaganfall-Hilfe fort: Danke, Fabian!

Die rechte Hand funktioniert nicht so gut. Greifen fällt ihm schwer. Na und? „Ich kenne das nicht anders, deswegen ist das für mich normal“, sagt Fabian. Irgendwelche Tricks und Kniffe findet er schließlich meistens, um sein Handicap auszugleichen.

https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/mitmachen/kampagne-zeichensetzer/

Nur in der Pause auf dem Schulhof kann er nicht mitmachen, wenn seine Klassenkameraden die Klettergerüste erklimmen. Fabian nimmt’s gelassen: wenn ihn jemand auf seine Behinderung anspricht, erzählt er offen, was passiert ist: „ich hatte einen Schlaganfall, schön im Bauch meiner Mama.“

Er kennt die Geschichten, die seine Eltern ihm von seiner Geburt erzählt haben: „Sie brauchen ihn nicht zu stillen, er kann sowieso nicht trinken“, hatten die Ärzte seiner Mutter gesagt. Sie probierte es trotzdem – und er trank.

Die unzähligen Therapiestunden sind für Fabian ein selbstverständlicher Teil seiner Kindheit. Er macht bei der Kampagne „ich setze ein Zeichen“ mit, um anderen zu zeigen, dass auch schon als Kinder einen Schlaganfall bekommen können.

Und weil es ein kleines Abenteuer ist: der Filmdreh in Hamburg war toll. Es ist spannend, mich im Fernsehen zu sehen.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe.de