Schreiben ist besser als zu Reden

 

Ich soll alleine, eine Hausaufgabe für heute machen. Ohne Logopädin mit Broca-Aphasie – soweit:

„Ich war am Freitag über Nacht bis zum Samstag in Warwisch. Meine kleine niedliche Hütte, gleich an der Elbe. Da hab ich einen Platten bemerkt an dem Mikki-Wagen. So ein Scheiss! Damit musste ich über Stock und Steine laufen mit dem Mikki-Wagen um den Müll abzugeben – über fast 1 Kilometer. Aaaargh!


Dann plötzlich ist noch der Taxifahrer für mich nach Winsen eine halbe Stunde zu früh dagewesen – und ich war gerade auf dem Weg zum Müll. Ich sagte zu dem Taxifahrer: ich muss noch den Müll wegbringen und dann zurück zu meiner Hütte mit kaputten Wagen um die Hüttentür abschließen. Den Mikki-Wagen unten im Keller zu verschließen. „Kein Problem“, sagt er, „ich warte gerne auf Sie. Da ist es so ruhig bei Ihnen, und die Fliederbüsche kann ich riechen – das ist so toll!“

„Kommen Sie mit“, sagte ich. Nee, nee, ich trinke und esse bis Sie da sind. Pünktlich um 3 Minuten vor 13 Uhr bin ich dagewesen. Puh. Gott sei dank.

Meine Reifen von dem Mikki-Wagen hab ich abbekommen. Und der Jürgen hat gleich bestellt zwei Tannus-Reifen. Hinten, die zwei, nur. Sicher ist sicher. Vorne (weil Jürgen sagt das ist schwer um sie runterzukriegen) bleibt. Bis zum Herbst, dann auch vorne den Tannusreifen.

Jürgen ist spitze! So ein toller Mann, das hätte ich nie hinbekommen!“

Dann mit der Logopädin zusammen: nur die Kleinigkeiten, aber schon ein bisschen wirr im Kopf. Mit fast 1000 Stunden und Zetteln über Zetteln und ich möchte so gut wie es geht gesund sein. Kraft und Mut nach so langer Zeit.

„Ich war am Freitag über Nacht bis zum Samstag in Warwisch. Meine kleine niedliche Hütte ist  gleich an der Elbe. Da hab ich einen Platten bemerkt an dem Mikki-Wagen. So ein Scheiss! Damit musste ich über Stock und Steine laufen um den Müll abzugeben – fast über 1 Kilometer. Aaaargh!

Dann plötzlich ist noch der Taxifahrer für mich nach Winsen eine halbe Stunde zu früh dagewesen – und ich war gerade auf dem Weg zum Müll. Ich sagte zu dem Taxifahrer: ich muss noch den Müll wegbringen und dann zurück zu meiner Hütte mit kaputten Wagen um die Hüttentür abzuschließen. Ausserdem muss ich den Mikki-Wagen unten im Keller einschließen. „Kein Problem“, sagt er, „ich warte gerne auf Sie. Da ist es so ruhig bei Ihnen, und die Fliederbüsche kann ich riechen – das ist so toll!“

„Kommen Sie mit“, sagte ich. Nee, nee, ich trinke und esse bis Sie da sind. Pünktlich um 3 Minuten vor 13 Uhr bin ich dagewesen. Puh. Gott sei dank.

Meine Reifen von dem Mikki-Wagen hab ich abbekommen. Und der Jürgen hat gleich zwei Tannus-Reifen bestellt. Hinten, die zwei, nur. Sicher ist sicher. Vorne (weil Jürgen sagt das ist schwer ist sie runterzukriegen) bleibt. Bis zum Herbst, dann kommt auch vorne der Tannusreifen drauf.

Jürgen ist spitze! So ein toller Mann, das hätte ich nie hinbekommen!

Sommer, Meer… und Schlaganfall

Sommer, Sonne, Strand, Meer. Urlaub! Ibiza! Was als fröhliche Reise mit Freundinnen beginnt, endet für Mirjam in einer Katastrophe. Sie fühlt sich plötzlich nicht gut, spricht nicht mehr deutlich, der Körper fühlt sich komisch an.  Freundinnen bringen die damals 34-Jährige ins Krankenhaus. Die erste Reaktion des Notarztes: „Wie viel hat sie getrunken? Was hat sie sonst noch für Substanzen genommen?“ Gar nichts, versichern die Freundinnen.

Eine Freundin erwähnt: Das ist ein Schlaganfall, die Symptome sind wie bei meinem Opa. Der Arzt erwidert: Nein, nein sie ist dafür viel zu jung. Mirjam auf dem Flur liegen gelassen, um ihren Rausch auszuschlafen. Es wird kein Drogentest gemacht. In der Nacht verschlechtert sich der Zustand dramatisch, aber erst am nächsten Tag werden erste Untersuchungen gemacht.  

Mirjam fällt ins Koma. Als die Diagnose Schlaganfall feststeht, ist es für Mirjam bereits zu spät. Drei Wochen liegt die Flugbegleiterin im Koma, ehe sie wieder nach Deutschland transportiert werden kann.  Als sie aufwacht, kann sie nichts mehr. Nicht schlucken, nicht sprechen, nicht bewegen.

„Ich dachte: Jetzt ist alles vorbei“, sagt sie. Doch sie kämpft um jeden kleinen Erfolg: das Atmen ohne Maschine, den ersten Schluck, das erste Heben des Arms, den ersten Schritt, das erste Wort. Lange Strecken zu laufen, macht sie immer noch müde, längere Unterhaltungen strengen sie immer noch an. Manchmal will das richtige Wort einfach immer noch nicht aus dem Mund kommen.

Aber es geht alles wieder: essen, laufen, sprechen. Alleine wohnen und zusammen mit anderen verreisen. „Ich setze bei der Kampagne der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ein Zeichen, um anderen Mut zu machen, nie aufzugeben. Egal, wie aussichtlos die Situation erscheint: Wenn man hart an sich arbeitet, sind immer noch Fortschritte möglich.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe!

Zwitschereien

Soweit bin ich bei der Logopädie, 9 Jahre mit Schlaganfall, fast 1000 Stunden: Mit vielen Bild-Umstellungen Worte (der/die/das/den/dem…) machen und über/daneben/vor… halt zwitschereien – soweit bin ich.

Aufgabe zu Hause: Man kann die Sätze unterschiedlich umstellen. Es muss nicht jeder Satz gleich sein. Viel Spaß beim knobeln! 


 

 

Vojta immer weiter mit dem rechten Fuß

‪Das ist Vojta. Wenige Physiotherapeuten machen das. Aber sie, die Christa Möck. Nach 9 Jahren Schlaganfall mit spastischer Lähmung. ‬Immer wieder das gleiche Muster.

Ich möchte nicht das Botox für den rechten Fuß (zweimal gemacht), weil andere Wahrnehmung mit dem rechten Fuß. Ich möchte gerade gehen, nicht hinfallen durch die Wahrnehmung/anderes Gefühl.

 

Das ist vor einem Jahr gewesen im Liegen (erstes Video) und Sitzen (zweites Video): Der Fuß wackelt.

Vojta und die Krankengymnastin vor 4 Jahren.

Vier Kinder, alleinerziehend und Schlaganfall

Vier Kinder, alleinerziehend, drei Jobs, um die Familie durchzubringen. Nicole hat alles getan, damit es ihren Kindern gut geht. Und sie wollte ein gutes Vorbild sein: Von Sozialhilfe zu leben – das kam für sie trotz der schwierigen Situation nicht infrage. Doch dann kam alles anders: Im Jahr 2002, mit 30 Jahren erlitt sie einen Schlaganfall. Während der Untersuchungen stellte sich heraus: Es war wahrscheinlich bereits ihr zweiter. Für ihre Lähmungserscheinen und eine plötzlich auftretende Epilepsie vier Jahre zuvor war nie eine Ursache gefunden worden.

Plötzlich war alles anders. Die Kinder mussten zu den Großeltern ziehen. Dank vieler Therapien schaffte Nicole es, wieder alleine in einer Wohnung zu leben. Bis heute braucht sie dafür viel Unterstützung. Denn geblieben sind nicht nur körperliche Folgen. „Mein Kurzzeitgedächtnis hat unter dem Schlaganfall sehr gelitten. Unmittelbar nach dem Schlaganfall hatte ich mein Zeitgefühl völlig verloren. Das wurde nach und nach besser, aber ich kann mir Dinge immer noch sehr schlecht merken.“ Doch der Schreck hörte nicht auf. Jahre später folgen eine Art Mini-Schlaganfall, genannt transitorische ischämische Attacke, und ein weiterer Schlaganfall.

Drei Mal am Tag kommt der Pflegedienst. Wenn sie einen Termin hat, zum Beispiel zum Arzt muss, erinnern die Mitarbeiter sie daran – immer wieder. „Es muss auch immer jemand mitkommen. Die vielen Informationen, die ich in so einem Arztgespräch bekomme, kann ich gar nicht verarbeiten – und mir erst recht nicht merken, erzählt Nicole. „Früher habe ich zum Teil Rechnungen zwei oder drei Mal überwiesen.Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich das schon gemacht habe. Mit dem Online-Banking geht das heute etwas einfacher, da ich immer in Echtzeit meinen Kontostand und meine Überweisungen kontrollieren kann.“

Als Nicole solche Aufgaben über den Kopf wuchsen, beantragte sie selbst eine gesetzliche Betreuung. Doch auch das klappte nicht auf die Dauer: „Meine Post ging an meine Betreuerin. Sie hat mich zum Teil gar nicht informiert, was sie bearbeitet hat und wie. Also drehten sich meine Gedanken wieder im Kreis: Ist der Brief eigentlich schon gekommen? Habe ich das schon erledigt? Hat sie das gemacht? Oder habe ich das nur wieder vergessen?“. Heute kommt sie ohne Betreuerin aus. Die inzwischen erwachsenen Kinder helfen ihr. Auch ihre beste Freundin, die gleichzeitig auch ihre Physiotherapeutin ist, kommt regelmäßig.

„Es ist so schwer, anderen begreiflich zu machen, was da im Kopf passiert“, sagt Nicole. Selbst aus dem Freundes oder Familienkreis hört sie oft „Das haben wir dir doch schon ein paar Mal erzählt“ oder „Wie kann man in deinem Alter schon so vergesslich sein?“. Sie ist froh, dass die Kinder hinter ihr stehen und ihre Erkrankung von Anfang an akzeptiert haben – auch wenn sie noch klein waren als es passierte. „Damals waren es meine Kinder, für die sich der Kampf gelohnt hat. Heute motivieren mich meine Enkel, weiterzukämpfen. Ich merke auch nach all den Jahren immer wieder kleine Fortschritte.“

Danke,  www.schlaganfall-hilfe.de

Das Leben ist noch nicht zu Ende!

Er ist mit einem Freund im Wald unterwegs. Ein paar Kleinigkeiten an ihrem Hochsitz wollen sie an diesem heißen Sommertag reparieren. Plötzlich bricht Dietmar zusammen. Sein Freund fährt ihn nach Hause zu seiner Ehefrau, die informiert den Hausarzt. Erst der Hausarzt ruft den Rettungsdienst. Es verstreicht wertvolle Zeit. Als Dietmar von Berlepsch in die Klinik kommt, hat der Schlaganfall bereits große Spuren hinterlassen. 57 ist er zu diesem Zeitpunkt, selbstständiger Architekt, mitten im Leben. Nach dem Schlaganfall ist er halbseitig gelähmt, kann nicht mehr arbeiten.

Stiftung Schlaganfall-Hilfe.de

„Nach der Reha habe ich zwei Jahre lang mehr oder weniger zu Hause gesessen und Fernsehen guckt. Das war eine schlimme Zeit. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich so nicht den Rest meines Lebens verbringen will“, erinnert er sich. Er rafft sich auf, macht den Führerschein neu, kauft ein Dreirad. Sein größtes Glück ist sein Labrador Harro. „Durch ihn komme ich an die frische Luft und fahre mindestens eineinhalb Stunden Rad pro Tag“, erzählt er. Heute macht er wieder Ausflüge und geht auf Reisen – oft sogar ohne Begleitung. Gemeinsam seinem Hund fuhr er 6000 Kilometer nach Portugal. Die weiteste Reise ging nach New York, wo er alleine Museen und Sehenswürdigkeiten erkundete.

„Inzwischen lasse ich mir von anderen nicht mehr einreden, dass ich irgendetwas nicht mehr kann. Ich entscheide selbst, was ich mir noch zumute. Manchmal muss man es eben ausprobieren.“ Bei der Kampagne „Ich setze ein Zeichen“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe macht er mit, um anderen Leuten Mut zu machen: „Der Weg nach einem Schlaganfall ist schwierig, aber das Leben ist danach nicht zu Ende.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe! 

 

Leise vorsprechen und Aufnahmegerät

Leise vorsprechen und dann die korrekte Abbildung zu finden, Haupt- und Nebensätze zu produzieren oder mit dem Aufnahmegerät erneut vorgespielt, sind ihr fehlende oder falsche Worte aufgefallen – und sie konnte das auflösen. Jippieh! Soweit sind wir.

In der Spontansprache ist die Wortfindungsstörung enorm hoch. Seit einem Jahr belastet mich etwas:  Ich schweife immer ab, weil da etwas ist, was ich noch nicht sagen kann. Das war so schockig von 7.12.2017, vor der OP am 27.12.2017 am linken Knie, bis hin zum 4. August 2018. Das beschäftigt mich, es ist schmerzhaft und nicht richtig. Meine Gedanken drehen sich darum. Ich will alles richtig stellen aber das ist nicht so einfach: Schlaganfall, Kopfsache, mit dem Stent und Kurzzeitgedächnis im Kopf.

5. August 2010, 5 Monate nach dem Schlaganfall in der Reha Jesteburg:

– Agrammatismus (kurze Sätze, Telegrammstil das bei Broca-Aphasie typisch ist): Birte verständigt sich größtenteils im sogenannten Telegramstil. Einige kleine Sätze gelingen in der Spontansprache zunehmend sicherer.“

„Das laute Lesen auf Satz- oder Textebene ist möglich. Allerdings hängt sie teilweise ein einigen Wörtern und braucht dann etwas Zeit, um diese zu lesen.

13. August 2010 – 5 Monate nach Schlaganfall mit Aachener Aphasietest:

Token Test, mittelschwer betroffen, 32 Fehlerpunkte von 50, Prozentrang 50. Benennen, mittelschwer betroffen, Prozentrang 56

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau… ein Taschentuch… nee, sondern ein, der Mann äh… ne… die Frau… Tasse nicht, sondern… die Frau runterfallen wirft Tuch, dann Tasse nicht… Untertasse nicht… Geschirr nicht. Die Frau, ein Geschirrtuch, die wischt…“ die Wörter fliegen durcheinander und es ist schwer für mich, die Wörter zu finden (Wortfindungsstörung).

Beispiel: Der Polizist nimmt den Verbrecher fest. „Der fesselt… wie fesselt? Der Polizist… mit den Zähnen… äh nein… mit den Fingern… Verbrecher.“

21. Dezember 2011 – fast 2 Jahre nach dem Schlaganfall: 

Token Test, leicht betroffen, 12 Fehlerpunkte von 50 -> Prozentrang 77. Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 74

Beispiel  Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau putzt und zwar, sie putzt die Kanne.“ Da merkt man bereits eine Veränderung!

Beispiel: Der Polizist nimmt den Verbrecher fest. „Der Räuber und Gendarme, nein, der Polizist legt eine Schelle ums Handgelenk.“

11. April 2013 – über 3 Jahre nach dem Schlaganfall:

Benennen, leicht betroffen,  Prozentrang 74 Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Eine Frau putzt… eine Kanne.“ Ich habe zwar ein bisschen überlegt, aber den Satz auf den Punkt gebracht. Chaka!

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest. „Der Dieb… nee, ein Polizist fesselt den Dieb.“

Februar 2014 – fast 4 Jahre nach dem Schlaganfall:

Tokentest, leicht betroffen, 3 Fehlerpunkte von 50 – Prozentrang 95, Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 79

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau legt ein Tuch… wischt ein Tuch. Die Frau putzt den… hab ich gar nicht mehr… Kanne. Die Frau putzt eine Kanne.“

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest „Der Polizist grabscht einen… mit den Fesseln… mit dem… Der Polizist bringt den Mensch um… nein… Der Polizist fesselt den Menschen.“ Ich habe die Wörter gesucht, und mich langsam angenähert. (man nennt es Conduite d‘approche = sich nähern). Bei Broca-Aphasie stark ausgeprägt.

19. November 2015 – 5 1/2 Jahre nach dem Schlaganfall:

Tokentest, leicht betroffen, 2 Fehlerpunkte – Prozentrang 97. Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 89

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau putzt in der Küche ihre… ihren Kaffee… ähm Kaffee… Kaffee oder Tee… Tasse…“

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest “ „Räuber. Der Gendarme packt den Räuber und fesselt den Menschen.“

19. Dezember 2018 – 8 Jahre und 9 Monate nach dem Schlaganfall: 

Tokentest, leicht betroffen, 7 Fehlerpunkte, Prozentrang 87, (vielleicht ein bisschen unkonzentriert) Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 97

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Sie putzt eine Kanne.“

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest. „Der böse Mann stellt der Polizist, weil er irgendwas gemacht hat.“

Das ist der Token Test – vielleicht war ich da im Dezember 2018 unkonzentriert…

Nicht mehr greifen mit links

Unter der Dusche merkte sie plötzlich, dass sie mit der linken Hand nicht mehr richtig greifen konnte – als Linkshänderin. Doch sie hatte keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Die kleine Tochter wartete im Kindergarten auf sie. Am nächsten Tag ging Julia zu ihrer Hausärztin. „Sie äußerte sogar den Verdacht auf Schlaganfall, gab mir aber trotzdem keine Überweisung in die Klinik. Als gesunde 29-Jährige entsprach ich nicht der typischen Risikogruppe“, erzählt Julia. Ihr Mann und ihre Schwester drängten trotzdem dazu, in die Klinik zu fahren. Zum Glück: Das Bild der MRT-Untersuchung zeigte gleich mehrere Schlaganfälle in der rechten Gehirnhälfte. „Abgesehen von den Schwierigkeiten mit meinem Arm und vereinzeltes Verwechseln von Wörtern sind die typischen Schlaganfall-Symptome erst ein paar Tage später aufgetreten. Da kam plötzlich die verlangsamte Sprachstörung und die Hemiparese dazu.“

Sie hat gerade angefangen, ein Buch über ihre Erlebnisse zu schreiben – und möchte damit ein Zeichen setzen. Vor allem für betroffene Mütter mit kleinen Kindern. „Es fing damit an, dass es keine auf Schlaganfälle spezialisierte Reha gab, zu der ich meine Tochter mitnehmen konnte. Mein Mann musste arbeiten und konnte sich auch nicht wochenlang frei nehmen, um auf sie aufzupassen. Also kam ich in eine neurologische Reha, die eigentlich auf Patienten mit Multipler Sklerose ausgerichtet ist. Dort konnte meine Tochter wenigstens mitkommen und in den örtlichen Kindergarten gehen.“ Das blieb nicht die einzige Hürde: Derzeit kämpft sie für einen Fahrdienst, der die Tochter von dem etwas abgelegenen Haus der Familie in den Kindergarten bringen kann. Julia darf noch nicht wieder Auto fahren.

„Einerseits ist es schwierig, sich nach dem Schlaganfall auch noch um ein kleines Kind zu kümmern. Andererseits bin ich unfassbar froh, dass ich sie habe. Ich weiß, ich kann mich nicht hängen lassen“, erzählt Julia. Über den Schlaganfall haben die Eltern von Anfang an offen mit ihrer Tochter gesprochen – auch, dass die Mama nach dem „Feuerwerk im Kopf“ (so auch der Buchtitel) alles etwas langsamer macht oder nicht mehr die richtigen Worte findet. „Wenn ich Waschmaschine statt Spülmaschine sage, korrigiert sie mich sofort“, sagt Julia lachend.

Vor kurzem hatte Julia einen TIA, eine Art kleinen Schlaganfall. Sie ging morgens zum Arzt und mittagsmusste sie den Krankenwagen rufen. „Mama geht zum Arzt und kommt erstmal nicht zurück. Das hat unsere Kleine jetzt schon zwei Mal erlebt und dadurch große Verlustängste.“ Julia hofft, dass die Ursache für die Schlaganfälle noch gefunden wird – und nicht noch ein Schlaganfall folgt.

Danke, deutsche Schlaganfall-Hilfe

Fabian: ich hatte schon einen Schlaganfall im Bauch meiner Mama

Kalenderblätter mit den Wochenzahlen und mit den Feiertagen, von Schleswig-Holstein zu Bayern unterschiedlich, klar. Aber mit Aphasie sind die Zahlen und Wochenzahlen wichtig. Das weiß ich von meiner Broca-Aphasie (Sprachstörung). Mit „Ich setze ein Zeichen! – Schlaganfall kann jeden treffen“ setzt die Schlaganfall-Hilfe fort: Danke, Fabian!

Die rechte Hand funktioniert nicht so gut. Greifen fällt ihm schwer. Na und? „Ich kenne das nicht anders, deswegen ist das für mich normal“, sagt Fabian. Irgendwelche Tricks und Kniffe findet er schließlich meistens, um sein Handicap auszugleichen.

https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/mitmachen/kampagne-zeichensetzer/

Nur in der Pause auf dem Schulhof kann er nicht mitmachen, wenn seine Klassenkameraden die Klettergerüste erklimmen. Fabian nimmt’s gelassen: wenn ihn jemand auf seine Behinderung anspricht, erzählt er offen, was passiert ist: „ich hatte einen Schlaganfall, schön im Bauch meiner Mama.“

Er kennt die Geschichten, die seine Eltern ihm von seiner Geburt erzählt haben: „Sie brauchen ihn nicht zu stillen, er kann sowieso nicht trinken“, hatten die Ärzte seiner Mutter gesagt. Sie probierte es trotzdem – und er trank.

Die unzähligen Therapiestunden sind für Fabian ein selbstverständlicher Teil seiner Kindheit. Er macht bei der Kampagne „ich setze ein Zeichen“ mit, um anderen zu zeigen, dass auch schon als Kinder einen Schlaganfall bekommen können.

Und weil es ein kleines Abenteuer ist: der Filmdreh in Hamburg war toll. Es ist spannend, mich im Fernsehen zu sehen.“

Danke, Schlaganfall-Hilfe.de