Bald ist die 1000. Logopädie-Stunde

Als Diagnose hab ich Sprachstörungen und Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Manchmal kann ich gar nicht mehr reden. Die Worte fallen mir nicht ein und es ist einfach zu komplex im Kopf.  Aber wir üben daran, wie sich der Satz zusammensetzt, am Schreiben und lesen und am eingeschränkten Sprachverständnis bei komplexen Äußerungen. Ich habe bereits einen guten Gebrauch von Selbsthilfestrategien in der alltäglichen Kommunikation. Stück für Stück, nicht schneller, aber es kommt… bei neurologischen Störungen dauert es länger…

Anne Wagner, die Logopädin (links) von der Sabine Köhler in der Fuhlsbüttler Straße 533 in Hamburg und ich

Jetzt ist es die 987. Logopädiestunde. Bald ist es am Mittwoch, den 24.7. die 1000. Logopädiestunde. Wir haben geübt, dass ich komplexe Sätze mit Nebensätzen richtig spreche – mit aber, weil, wegen weiter fortführen. 

Ich äußere spontan noch immer viel in Wortgruppen und vielen kurzen Hauptsätzen. Hier befindet sich das Verb nicht immer an der richtigen Stelle. Es wurden verstärkt Übungen zur richtigen Verbstellung im Haupt- und Nebensatz durchgeführt.

Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, die Logopädie… ich habe es sogar geschafft, meine aufgeschriebenen Sätze oft selbst zu korrigieren. 

Außerdem wurden Übungen zum Sätze bilden oder korrigieren von Texten gemacht. Hier verwechsel ich vor allem die kleineren Wörter wie zum Beispiel auf, unter, neben und weil, wegen, denn, oder, außer…

Nach fast 1000. Stunden hab ich schon viel geschafft, aber es geht noch weiter: es gibt noch viel zu tun.

Der Arzt meinte, solange wie Sie Fortschritte machen, soll die Logopädie weiter gehen. In vielen Sachen habe ich mich schon verbessert. Nebensätze mit weil mache ich oft schon richtig, ohne darüber nachzudenken (super). Woran wir noch arbeiten müssen, ist längere Sätze. Hier gibt es zwei Schwierigkeiten. Erstens ich möchte etwas sagen und eines der Wörter fällt mir nicht ein. Zweitens wenn mir das Wort endlich einfällt, habe ich vergessen, was ich sagen wollte.

Also haben wir zwei Sachen, die wir unbedingt verbessern wollen, die Wortfindung und die Merkfähigkeit.

Mehr Infos dazu gibt es später, in meinem Blog.

 

 

 

Mit Kaffee, Mandarinen und denken

Schreiben ist besser als zu Reden

 

Ich soll alleine, eine Hausaufgabe für heute machen. Ohne Logopädin mit Broca-Aphasie – soweit:

„Ich war am Freitag über Nacht bis zum Samstag in Warwisch. Meine kleine niedliche Hütte, gleich an der Elbe. Da hab ich einen Platten bemerkt an dem Mikki-Wagen. So ein Scheiss! Damit musste ich über Stock und Steine laufen mit dem Mikki-Wagen um den Müll abzugeben – über fast 1 Kilometer. Aaaargh!


Dann plötzlich ist noch der Taxifahrer für mich nach Winsen eine halbe Stunde zu früh dagewesen – und ich war gerade auf dem Weg zum Müll. Ich sagte zu dem Taxifahrer: ich muss noch den Müll wegbringen und dann zurück zu meiner Hütte mit kaputten Wagen um die Hüttentür abschließen. Den Mikki-Wagen unten im Keller zu verschließen. „Kein Problem“, sagt er, „ich warte gerne auf Sie. Da ist es so ruhig bei Ihnen, und die Fliederbüsche kann ich riechen – das ist so toll!“

„Kommen Sie mit“, sagte ich. Nee, nee, ich trinke und esse bis Sie da sind. Pünktlich um 3 Minuten vor 13 Uhr bin ich dagewesen. Puh. Gott sei dank.

Meine Reifen von dem Mikki-Wagen hab ich abbekommen. Und der Jürgen hat gleich bestellt zwei Tannus-Reifen. Hinten, die zwei, nur. Sicher ist sicher. Vorne (weil Jürgen sagt das ist schwer um sie runterzukriegen) bleibt. Bis zum Herbst, dann auch vorne den Tannusreifen.

Jürgen ist spitze! So ein toller Mann, das hätte ich nie hinbekommen!“

Dann mit der Logopädin zusammen: nur die Kleinigkeiten, aber schon ein bisschen wirr im Kopf. Mit fast 1000 Stunden und Zetteln über Zetteln und ich möchte so gut wie es geht gesund sein. Kraft und Mut nach so langer Zeit.

„Ich war am Freitag über Nacht bis zum Samstag in Warwisch. Meine kleine niedliche Hütte ist  gleich an der Elbe. Da hab ich einen Platten bemerkt an dem Mikki-Wagen. So ein Scheiss! Damit musste ich über Stock und Steine laufen um den Müll abzugeben – fast über 1 Kilometer. Aaaargh!

Dann plötzlich ist noch der Taxifahrer für mich nach Winsen eine halbe Stunde zu früh dagewesen – und ich war gerade auf dem Weg zum Müll. Ich sagte zu dem Taxifahrer: ich muss noch den Müll wegbringen und dann zurück zu meiner Hütte mit kaputten Wagen um die Hüttentür abzuschließen. Ausserdem muss ich den Mikki-Wagen unten im Keller einschließen. „Kein Problem“, sagt er, „ich warte gerne auf Sie. Da ist es so ruhig bei Ihnen, und die Fliederbüsche kann ich riechen – das ist so toll!“

„Kommen Sie mit“, sagte ich. Nee, nee, ich trinke und esse bis Sie da sind. Pünktlich um 3 Minuten vor 13 Uhr bin ich dagewesen. Puh. Gott sei dank.

Meine Reifen von dem Mikki-Wagen hab ich abbekommen. Und der Jürgen hat gleich zwei Tannus-Reifen bestellt. Hinten, die zwei, nur. Sicher ist sicher. Vorne (weil Jürgen sagt das ist schwer ist sie runterzukriegen) bleibt. Bis zum Herbst, dann kommt auch vorne der Tannusreifen drauf.

Jürgen ist spitze! So ein toller Mann, das hätte ich nie hinbekommen!

Zwitschereien

Soweit bin ich bei der Logopädie, 9 Jahre mit Schlaganfall, fast 1000 Stunden: Mit vielen Bild-Umstellungen Worte (der/die/das/den/dem…) machen und über/daneben/vor… halt zwitschereien – soweit bin ich.

Aufgabe zu Hause: Man kann die Sätze unterschiedlich umstellen. Es muss nicht jeder Satz gleich sein. Viel Spaß beim knobeln! 


 

 

Leise vorsprechen und Aufnahmegerät

Leise vorsprechen und dann die korrekte Abbildung zu finden, Haupt- und Nebensätze zu produzieren oder mit dem Aufnahmegerät erneut vorgespielt, sind ihr fehlende oder falsche Worte aufgefallen – und sie konnte das auflösen. Jippieh! Soweit sind wir.

In der Spontansprache ist die Wortfindungsstörung enorm hoch. Seit einem Jahr belastet mich etwas:  Ich schweife immer ab, weil da etwas ist, was ich noch nicht sagen kann. Das war so schockig von 7.12.2017, vor der OP am 27.12.2017 am linken Knie, bis hin zum 4. August 2018. Das beschäftigt mich, es ist schmerzhaft und nicht richtig. Meine Gedanken drehen sich darum. Ich will alles richtig stellen aber das ist nicht so einfach: Schlaganfall, Kopfsache, mit dem Stent und Kurzzeitgedächnis im Kopf.

5. August 2010, 5 Monate nach dem Schlaganfall in der Reha Jesteburg:

– Agrammatismus (kurze Sätze, Telegrammstil das bei Broca-Aphasie typisch ist): Birte verständigt sich größtenteils im sogenannten Telegramstil. Einige kleine Sätze gelingen in der Spontansprache zunehmend sicherer.“

„Das laute Lesen auf Satz- oder Textebene ist möglich. Allerdings hängt sie teilweise ein einigen Wörtern und braucht dann etwas Zeit, um diese zu lesen.

13. August 2010 – 5 Monate nach Schlaganfall mit Aachener Aphasietest:

Token Test, mittelschwer betroffen, 32 Fehlerpunkte von 50, Prozentrang 50. Benennen, mittelschwer betroffen, Prozentrang 56

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau… ein Taschentuch… nee, sondern ein, der Mann äh… ne… die Frau… Tasse nicht, sondern… die Frau runterfallen wirft Tuch, dann Tasse nicht… Untertasse nicht… Geschirr nicht. Die Frau, ein Geschirrtuch, die wischt…“ die Wörter fliegen durcheinander und es ist schwer für mich, die Wörter zu finden (Wortfindungsstörung).

Beispiel: Der Polizist nimmt den Verbrecher fest. „Der fesselt… wie fesselt? Der Polizist… mit den Zähnen… äh nein… mit den Fingern… Verbrecher.“

21. Dezember 2011 – fast 2 Jahre nach dem Schlaganfall: 

Token Test, leicht betroffen, 12 Fehlerpunkte von 50 -> Prozentrang 77. Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 74

Beispiel  Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau putzt und zwar, sie putzt die Kanne.“ Da merkt man bereits eine Veränderung!

Beispiel: Der Polizist nimmt den Verbrecher fest. „Der Räuber und Gendarme, nein, der Polizist legt eine Schelle ums Handgelenk.“

11. April 2013 – über 3 Jahre nach dem Schlaganfall:

Benennen, leicht betroffen,  Prozentrang 74 Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Eine Frau putzt… eine Kanne.“ Ich habe zwar ein bisschen überlegt, aber den Satz auf den Punkt gebracht. Chaka!

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest. „Der Dieb… nee, ein Polizist fesselt den Dieb.“

Februar 2014 – fast 4 Jahre nach dem Schlaganfall:

Tokentest, leicht betroffen, 3 Fehlerpunkte von 50 – Prozentrang 95, Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 79

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau legt ein Tuch… wischt ein Tuch. Die Frau putzt den… hab ich gar nicht mehr… Kanne. Die Frau putzt eine Kanne.“

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest „Der Polizist grabscht einen… mit den Fesseln… mit dem… Der Polizist bringt den Mensch um… nein… Der Polizist fesselt den Menschen.“ Ich habe die Wörter gesucht, und mich langsam angenähert. (man nennt es Conduite d‘approche = sich nähern). Bei Broca-Aphasie stark ausgeprägt.

19. November 2015 – 5 1/2 Jahre nach dem Schlaganfall:

Tokentest, leicht betroffen, 2 Fehlerpunkte – Prozentrang 97. Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 89

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Die Frau putzt in der Küche ihre… ihren Kaffee… ähm Kaffee… Kaffee oder Tee… Tasse…“

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest “ „Räuber. Der Gendarme packt den Räuber und fesselt den Menschen.“

19. Dezember 2018 – 8 Jahre und 9 Monate nach dem Schlaganfall: 

Tokentest, leicht betroffen, 7 Fehlerpunkte, Prozentrang 87, (vielleicht ein bisschen unkonzentriert) Benennen, leicht betroffen, Prozentrang 97

Beispiel: Die Frau putzt die Kanne. „Sie putzt eine Kanne.“

Beispiel: Der Polizist nimmt einen Verbrecher fest. „Der böse Mann stellt der Polizist, weil er irgendwas gemacht hat.“

Das ist der Token Test – vielleicht war ich da im Dezember 2018 unkonzentriert…

Schlaganfall mit „Tina“ Sprachstörung

In Liebe seit 8 1/2 Jahren: Schlaganfall mit (fast) einer Hand und Sprachstörungen: Zeitschrift „Tina“, am 26.9., im Kiosk bis 2.10.16, Heft 40, Seite 40, Birte und Jürgen und mit „Wunderweib „Tina“.


Danke, „Tina“!

Wenn man Aphasiker ist…

…Schlaganfall zusammen mit Sprachstörung.

Ich so: bei Jürgen in Winsen. Ich fahre mit dem Dreirad zum Markt, 2 km, heiß und nicht laufen können (100 Prozent Geh-Behinderung). Also Dreirad. Nah am Markt, da schalte ich die Gänge hoch (das ist Aphasie bei mir) runter meinte ich wegen der Steigung). Zack – Kette beide hintere und vordere raus.

Erster Mensch: kannst du die Kette machen? falsche Worte wenn so aufgeregt, ich sage Sprachprobleme bei Schlaganfall, er versteht das nicht. Die falschen Worte – das ist auch Schlaganfall, hallo kann ich aber nicht sagen.  Reden, schreiben, lesen – ist alles anderes. Weeste? Halt Gehirn.

Ich hab 861 Stunden mit der Logopädie gemacht. Aber: immer noch Aussetzter. Seit Februar 18 bin ich nicht mehr dabei. Jetzt fange wieder im Oktober mit der gleichen Logopädie. Viele kommen wieder nach 3 Monaten sagt die Sabine Köhler, die Chefin vom ganzen ist, auch hat sie gelernt die Logopädie.

Winsener Markt ganz nah, mit laufen (Adrenalin:). Dann einkaufen beim Marktler. Erstmal geheult. (Weiß nicht wieso) „Wie mach ich denn das jetzt“ im Geheimen.

Dann auf der anderen Seite vom Markt aus, die Polizei. Aber Mist, geschlossen, Polizeinummer nee, kann ja nicht reden mit aufgeregt sein. Nur hingehen, das passt aber anrufen mit Schlaganfall, Sprachstörung, heißes Wetter (35 Grad), und aufgeregt sein, das schaffe ich nicht.

Jürgen anrufen, richtig geheult, dann nur wirres Zeug geredet, oder gar nicht. Jürgen begreift sofort (komisch, aber es ist so) kaputt – Fahrrad – Taxi mit Fahrrad – Taxi kommt Fahrrad zu Jürgen.

(Aber wenigstens eingekauft hab ich)

• langsamer sprechen bei Aufregung.

• sammeln – dann reden. Dann seid ihr weg, wenn ich rede bei Aufregung.

• Zahlen umgedreht 21, 22, 23, 24 ah vierundzwanzig, wenn ich meine rückwärts zu zählen. Halt langsam. (Dann bist du schon weg.)

Für meinen Fall. Jeder Schlag in Hirn, ist ein anderer Schlag.

Ok? Endlich kann ich ein bissschen sagen, was ihr verstehen sollt.

Für alle Aphasiker und die Angehörigen und Freunde.

 

Missverständnisse – aber der Anfang ist da

„Du machst das aber schon richtig gut. Nicht unterkriegen lassen,“ sagt Brigitte. „Gott sei dank, jetzt bin ich soweit (861 Logopädiestunden) das ich was kontern kann“, sag ich.

Noch nicht so stimmig, (weiß ich.) Aber der Anfang ist da. Und das ist toll, zu sehen!

Kommunikation im Alltag

Im Alltag verschiedenste soziale Netzwerke (Facebook, Twitter,…) und es ist zu beobachten, dass sich die Kommunikation deutlich erweitert und verbessert hat.

Der Wortabruf wird in freien Gesprächen und Übungen trainiert. Feste Kategorien (~Mist) und Eingegrenzung, um den Abruf schnell möglich zu machen…

Tschüss, Logopädin Maren, war und ist schön mit dir. Auf ein neues, und du kommst ja wieder, oder?

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Missverständnisse und Gedanken, die ich nicht äußern kann

833 mal Logopädie. Viele, viele Stunden in denen viel passiert ist, ich aber auch merke, dass ich noch nicht am Ende bin. Mit meiner jetzigen Therapeutin hab ich jetzt fast 4 Jahre gearbeitet. Die war schön! Nun hört sie erstmal auf. Ein guter Anlass die letzten Jahre Revue passieren zu lassen.

Eine Aphasie ist echt hartnäckig. Wörter finden, Sätze bauen, Inhalte verstehen – und ich bin schnell erschöpft und gähne – das ist weiterhin echt anstrengend.

Mein Sprachsystem hat sich schon deutlich verbessert. Und trotzdem kommt es noch häufig zu Missverständnissen, oder ich hab Gedanken, die ich nicht äußern kann.

Und das versteht auch nur jemand mit Aphasie, der gleiches erlebt. Kommunikation ist mehr als eine Aneinanderreihung von Worten. Man muss so viel zwischen den Zeilen lesen und verstehen und dann auch noch sensibel sein und verständlich zu antworten. Ich möchte anderen nicht an den Kopf werfen.

Aber das passiert leider immer wieder. Entschuldigung!!!!! Daran muss ich noch sehr viel arbeiten mit der Therapeutin. Viele sagen mir das ich das gut mache. Und dafür bin ich auch dankbar.

Mit gebrochenen Beinen kann man auch auch kein Marathon laufen.

Vielleicht ist das einfacher zu verstehen?

Feine detaillierte Übungen, zum Beispiel ein Verb zu einem Nomen finden. Das strengt mich so an, dass ich Pausen brauche, um das zu verarbeiten… gähn…

Ich spreche und schreibe wo ich nur kann, das übt, und kann mich nur voran bringen.

Ich freue mich deshalb um so mehr, wenn ihr mir schreibt, oder wir einfach bei einem Kaffee quatschen.