Wütend – dann geht das mit dem Schreiben

Ich möchte bitte selbst meinen Blog schreiben. Es macht mich immer wieder wütend, das ich nicht so schreiben kann wie damals, als ich noch keinen Schlaganfall hatte. Aber wenn ich nicht wütend bin, und kompliziertere Sätze bilden soll, dann klappt das noch nicht. Deswegen gehe ich hin zu der Logopädin.

Jedes Mal sie fragt, ob ich einen Milchkaffee möchte? Ja, bitte :) Dann bin ich mutiger, schlürf…

Bei der Umsetzung in Telefonaten, zeigte ich mich souverän, in manchen Fällen (zu Hause), gelingt mir manchmal gar nichts.

Wenn ich abschweife, dann weiss ich nicht mehr, was ich vor zwei Minuten sagen wollte. Dann, auf einmal, fällt mir das dann ein! Immer häufiger, sagt die Logopädin.

Und dann die naheliegenden Assoziationen. Diese Übungen wo drei Begriffe stehen (Bild 1): Das fehlt mir auch sehr, daran üben wir unter anderem. Und Geschichten zu schreiben. Eine Geschichte mit komplexeren Gedanken findet ihr hier (Bild 2):

Den Logopädischen Zwischenbericht findet ihr ganz unten (Bild 3).

Kurze Phrasen werden immer sicherer

Eine verbesserte Leistung im schnellen Wortabruf, eine kurze Phrase, noch nicht lange Phrasen, wird ebenfalls sicherer.

Umständlich gedacht – immer :) Weiss nicht weiter… Aber die Dame hilft, die Äusserung konkret und knapp zu formulieren. Und dann irgenwann sitzt es…

Im Februar geht die Logotherapie weiter, im Januar vereinzelt, da die Saeboflex, die rechte Hand zu greifen, sehr schlaucht. Neues Gerät, aber im Februar nur 1 mal im Monat UKE, sonst selber, das passt!

500. Stunden von Logopädie

Erstmal andersrum lesen – das auf einmal geht nach 4 1/2 Jahren. superklasse! Maren sagt wow! Jetzt mit der Logopädin weitermachen, andersrum den Text lesen: „Angst macht Flügel“ und so weiter, bis zum Ende. „Erstmal verarbeiten, das reicht“. Hmm. Ok, wenn du das sagst :)

Dann Maren kommt zu mir 500. Stunde und bringt ein Apfelkuchen mit, selbstgebacken. Toll! Wow! Herzlichen Dank!

Dann sieht sie meine Wohnung. „Klasse“, sagt sie (bitte nicht nach unten gucken, gewischt hab ich noch nicht :)

Das Finden der richtigen Worte fällt mir immer noch schwer. Aber immer besser werde ich: „Frau Oldenburg zeigt in vielen sprachlichen Bereichen gute Fortschritte.“ Das merke ich auch. Und Jürgen sagt auch: „ganz toll“ auch in Facebook, Super-Fortschritte.

„Kaffee ist fertig, Logopädie heute bei mir, weil es ist die 500. Stunde ist. Üben, üben, üben, bis alles ist gut. Bitte!“ sagte ich am 18. November.

Und was sagt das: Immer mehr kommt es. Nach 4 1/2 Jahren! Immer noch! Bitte noch mehr, vielleicht nochmal 500 Stunden? Prost!

PS: Das wollte ich gar nicht – noch nicht, das das veröffentlich wird :( Sorry Menschen! Jetzt aber :)

 

Packen wir es an!

In die freie Kommunikation will ich es schaffen. Tja, bitte möglichst frei sprechen. Nach 476 Logopädische Stunden muss doch das möglich sein? Leichte Verbesserungen sagt die Maren. Noch nicht perfekt. Unerhört :)

Aber so weit bin ich: Bestellungen, Reklamationen und Behördengänge, das merke ich auch, sind besser geworden. „Sprachlich vorbereitet und im Anschluss reflektiert“ sagt Maren.

Und wirklich wahr: in emotionalen und stressigen Momenten nix rauszukriegen. Maren sagt: „noch häufig NOCH sehr unsicher wird“

Packen wir es an!

PS: allein gelesen, allein geschrieben, allein in der Blog eingestellt. Mal sehen, was Maren dazu sagt am Donnerstag :)

Lernen und üben in der Praxis und ausserhalb

„Birte Oldenburg ist hoch motiviert, ihre sprachlichen Schwierigkeiten zu verbessern. So dass sie innerhalb einer Woche mehrere Übungsblätter bearbeitet“ sagt Maren , Logopädin in der Praxis. Und so weiter: lest es :-)

Ich denke, das ich einen zweiten Korb für die logopädische Praxis in 4 1/2 Jahren brauche :-)

Das war der erste Logo-Bericht aus der Klinik Jesteburg

Das war der erste Bericht Logopädie in Jesteburg vor 4 Jahren. Da war ich groggy müde nach dem Schlaganfall. Der Schlaganfall war 3.3.2010.

Dann der zweite Bericht ist nach dem 10.8.2010, das Datum wo ich zu Hause war. Zwei Jahre hab ich nicht geschrieben, weil ich wirklich nicht verstanden wurde, weil es Kauderwelsch war :) Üben, Üben, Üben.

Stück für Stück lernen, begreifen, aushalten, weinen tierisch viel. Aber was machen, ich möchte ja „gesund“ werden… wenigstens auf dem Weg dahin!

Zwei Jahre später kam das mit Logopädin Anna und Logopädin Maren zusammen mit mir einen Blog schreiben.

Wieder zwei Jahre weiter, also jetzt, ich muss ganz alleine schreiben, zusammen mit Maren – also nachdem ich schreibe, dann Maren  gucken, zu recht rücken, dann ich wieder schreiben, usw

Heute war ich ganz alleine schreiben. Mal sehen was die Maren dazu sagt!

Nach dem Urlaub. Nicht vorher, also liebe Leute, wenn was falsch ist, dann Maren anrufen :) Nein, mich anrufen, daraus lerne ich ja :)

Das ist der Korb mit allen Logo-Zetteln mit den Aufgaben, zu hause, und in der Logopädiestunde. Bis 4 Jahre Therapie. Und wann das Ende? Keine Ahnung. Aber vielleicht 2 Jahre noch?

 

 

 

 

Der Totentest :)

„Der Totentest“ sagt Maren Veit, die Logotherapeutin. „Was?“ sag ich, „versteh ich nicht!“ „Der TokenTest! Der zeigt an, ob eine Aphasie vorliegt – oder nicht.“

In vielen sprachlichen Bereichen hab ich mich verbessert. Was weiterhin sehr schwierig ist, ist das Formulieren und das freie Sprechen. Ich weiss was ich sagen möchte, kann es aber in Sprache nur sehr schwer ausdrücken.

Ich brauche länger um richtige Worte zu finden. Ich verzettele mich dann manchmal, um meine Gedanken sind dann einfach weg. Deshalb geh ich weiter zur Therapie :)

Ich bin zuversichtlich und freue über jeden kleinen und grossen Erfolg! Chaka!

Danke, Anna!

Am 13.8.2010 war ich das erste Mal bei Anna Craston zur Logopädie. Heute war das die 409. Stunde.

Anna verlässt die Praxis zum 31.1.2014, um in einem Kindergarten mit behinderten Kindern zu arbeiten. Das ist natürlich toll – aber für mich ist das traurig. So lange haben wir zusammen gearbeitet. Danke, Anna, dass du so lange da warst!

Am Anfang hatte ich fast nur Telegrammstil und heftige Wortfindungsstörungen. Die kleinen Funktionswörter (zum Beispiel „bei“, „zu“, „euch“, „um“, „für“, „den“ und „dem“) waren wahnsinnig schwer, zu finden, vorzulesen, und auch zu verstehen.

Meine Fehler hab ich weniger bemerkt. Jetzt ist meine Selbstkontrolle besser. Aber ich ärgere mich dadurch auch mehr über mich selbst. Ja, so ist es :) Grummel.

Ich falle heute noch manchmal in den Telegrammstil zurück. Das passiert zum Beispiel, wenn ich müde bin, wenn ich mich lange angestrengt hab oder bei Aufregung bei neuen Leuten. Ganz langsam erhole ich mich. Das ist ein grosses Glück, dass ich noch Fortschritte mache.

Anfangs war ich total verwirrt, aus Überforderung, hab ich oft geweint, geflucht, oder wurde böse (ja? Weiss ich gar nicht. Entschuldigung, war nicht die Absicht!) Jetzt bin ich klarer. Ich komme immer besser damit klar, dass ich so bin. Aber dann auch weitermachen!

Ich merke auch immer wieder, dass das Sprachverständnis besser wird. Zum Beispiel das Fernsehen, das war mir früher zu anstrengend, jetzt geht es wieder etwas besser.

Alte Freunde sehe ich immer seltener, weil ich oft zu fertig bin, um auf die andere Seite der Stadt zu kommen. Mit Auto geht das – aber ich hab keinen Auto mehr. Vielleicht würde ich auch das nicht schaffen. Also mit dem Taxi – das ist zu teuer…

Reden – das ist was ganz anderes: schwerer als schreiben, bei mir ist das so.

Beim Schreiben auf Facebook und Twitter merkt man, ob ich gerade müde bin, oder nicht. Manchmal schreib ich nur unverständlichen Quatsch, das fällt mir erst hinterher auf. An den meisten Tagen geht es immer sicherer.

In dem Blog schreibe ich zusammen mit Anna. Erst sammeln wir Gedanken, dann sortieren wir sie, und dann schreiben wir sie auf. Dabei korrigiert Anna die Fehler :)

Ziele und Wünsche: Den Blog möchte ich alleine schreiben. Mein langfristiges Ziel ist: wieder auf 400 Euro Basis arbeiten zu gehen, Kampagnen zu unterstützen, oder als Redakteur im Blog oder so.

Ich weiss nicht, ob das realistisch ist. Wir werden sehen!

Tschüss, Anna, mach es gut!

PS: Lesen gehört noch dazu. Das Lesen hat sich verbessert, aber Blog-Text ist ein Problem. Zwischen zwei Absätzen brauche ich eine Leerzeile. Sonst kann ich das nicht lesen. Ich brauche, glaub ich, einen Termin beim Augenarzt.

Kommunikation seit drei Jahren

Ich hab gefragt, was ich in meinem Blog aufschreiben soll. Alexander Fillbrandt hat vorgeschlagen, „wie hat sich die Kommunikation mit der Aphasie verändert?“ Dazu haben Anna und ich uns ein paar Gedanken gemacht.

Alexander Fillbrandt ist Logopäde und bloggt auch.

Ich bin nicht so ein schüchterner Mensch. Von Anfang an, auch als ich kaum Worte gefunden hab, hab ich versucht, vieles allein zu regeln. Ich hatte Hilfe von der lieben Rechtsanwältin Heike Kaiser-Behm die mich am Anfang, als ich noch viel wirrer war, unterstützt hat. Danke!

Immer nach vorne geguckt

Ich hab das gar nicht registriert am Anfang, wie schlimm das mit der Aphasie war. Immer nach vorne geguckt. Dadurch hatte ich zum Glück nicht so viele Hemmungen drauf los zu quatschen. Gott sei dank!

Häufig war ich genervt von mir selber. Alter Schwede, war ich genervt! Ich war abhängig von den anderen und angewiesen auf kommunikatives Entgegenkommen. Für mich war das grausam!

Anfassen, meine Mimik oder der Tonfall – alles Dinge die mir helfen, wenn ich nicht so gut sprechen kann. Das ist wichtig für mich. Wenn möglich, regele ich wichtige Dinge persönlich oder bei Skype oder so. Das ist einfacher als am Telefon, weil es weniger Missverständnisse gibt.

Bei Missverständnissen muss ich noch prüfen ob der Fehler bei mir ist – bevor ich böse auf die anderen bin. <<Das fällt mir noch schwer.>>

Kommunikation ist anstrengend

Kommunikation ist anstrengend, auch wenn es gute Gespräche sind. Nach einem langen Abend mit Freunden bin ich glücklich, aber es ist auch anstrengend gewesen!

Ich vermeide Dinge, von denen ich merke, das sie mir zu kompliziert sind – und ich verschiebe sie auf 1 oder 2 Jahre später.

Ich mag das gar nicht, aber ich bin oft neidisch auf andere Menschen: zum Beispiel auf Schlaganfall-Menschen mit 2 Händen, Leute die besser sprechen als ich.
<<Entschuldigung, es ist mir selber peinlich, aber es ist so :( >>

Kommunikation mit anderen Aphasie-Patienten tut gut, weil sie mich wirklich verstehen – zum Beispiel: ich bin nächstes Wochenende in Heidelberg bzw Lobbach, bei Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Das tut mir gut, inclusive Auto-Fahren und Dreirad-Fahren und viele Freunde und Reden.